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Der Kanarienvogel und sein wilder Ursprung

Mit seinem prachtvollem Gleb und wundervollem Gesang, begeistert der Kanarienvogel unzählige private Halter in aller Welt. Auch mich fasziniert der kleine Singvogel aus der Familie der Finken (Fringillidae), doch fragte ich mich, wo dieser wunderschöne Vogel eigentlich seinen Ursprung hat. So führt mich meine Suche nach den Wurzeln des Kanarienvogels weit in Richtung Afrika, auf die kanarischen Inseln.

Die kanarischen Inseln liegen weit im Süden Europas, auf Höhe Marokko‘s. Als Teil von Spanien sind die Inseln ein beliebtes Urlaubsziel für Naturliebhaber und Wander-begeisterte. Nach meiner Ankunft auf Teneriffa, der größten Insel der Kanaren, begebe ich mich in Küstennähe, wo man die Urform der Kanarienvogel häufig antreffen kann. Wie Hobbyornithologen sicher schon wissen, ist die Urform der Kanarengirlitz (Serinus canaria), welcher offene bebuschte Landschaften bevorzugt. Doch auch bewaldete Gebiete bis 2000m Höhe zählen zu seinem Lebensraum. An der Küste trifft man den Kanarengirlitz meist in kleinen Gruppen bis zu 15 Vögeln an, im Winter können diese jedoch zu großen Schwärmen mit bis zu 40 Vögeln anwachsen, um gemeinsam auf Nahrungssuche zu gehen. Der Kanarengirlitz bevorzugt überwiegend halbreife Samen von Büschen als Nahrungsquelle. Hält man nach dem Kanariengras (Phalaris canariensis) Ausschau, so hat man die besten Chancen die kleinen Vögel mit 12,5cm Größe zu sichten. Neben dem Kanariengras und dessen Samen, kommen für den Vogel noch weitere Pflanzen als Nahrungsquelle in Frage, wie beispielweise die Samen der Korbblütler, der Strohblumen (Helichrysum), der Wucherblumen (Tanacetum), der Gänsedisteln (Sonchus), Löwenzahns (Taraxacum) und des Pippaus (Crepis). Anders als andere Finken auf den Kanaren, muss der Kanarengirlitz keine Wanderungen auf der Suche nach Nahrung vornehmen, da er ganzjährig Nahrung in seinem Revier findet. Auf der Such nach Wasser hat es der Kanarengirlitz deutlich schwerer, da es auf dem Archipel kaum Wasserquellen gibt. Die einzige Überlebenschance bietet sich, in dem der Kanarengirlitz Tau von den Blättern, von Büschen und Bäumen zu trinken oder 


kleine Früchte aufpickt um an den Saft der Frucht zu gelangen. So findet man auf Teneriffa, auf Grund der Wasserknappheit, den Kanarengirlitz überwiegend im nördlichen Teil der Insel, welcher deutlich häufigeren Regenfall erlebt als der Süden, in welchem es teilweise über 18 Monate nicht zu regen kommen kann. Auch ich bevorzuge für meine Beobachtungen den Norden Teneriffas, da bedingt durch mehr Niederschlag auch das Nahrungsangebot für den Kanarengirlitz größer ist.

„Morgenstund hat Gold im Mund!“ Denn wer den außerordentlichen Gesang des Kanarengirlitz hören möchte, sollte sich bereits nach Sonnenaufgang auf den Weg machen. Meist sitzen die Männchen auf einer erhöhten Stelle, wie z.B. eine Baumspitze, um von dort aus mit Ihrem Gesang ihr Revier abzustecken oder um Weibchen anzulocken. Übung macht ihn zum Meister, den der Kanarengirlitz wie auch der Kanarienvogel benötigen viel Übung um ihren Gesang zu perfektionieren. Wie der europäische Girlitz steigt auch der Kanarengirlitz zu Balzflügen auf und singt dabei. Der Gesang beginnt leise und gipfelt in laute und hart vorgetragene Gesangsstrophen Der Kanarengirlitz kann bis zu 400 Klangelemente (Touren) beherrschen. Allerdings fehlt ihm der rollende Gesang, den wir vom Kanarienvogel kennen.

Mit aufrechter Haltung und lautem Gesang, versuchen die Männchen ihre weiblichen Artgenossen zu beeindrucken. Doch die Damen sind durchaus wählerisch und das Männchen braucht viel Ausdauer um eine Partnerin zu finden. Hat das Männchen Erfolg, so beginnt eine monogame Brutehe, welche von Frühling bis Spätsommer hält. Während dieser Zeit zieht das Paar drei bis sechs Junge groß, abhängig von den Witterungsverhältnissen und Nahrungsangebot. Damit dieses dauerhaft gewährleistet werden kann, baut der Kanarengirlitz sein Nest nahe seiner Futterquellen, denn das Weibchen bleibt auf den Eiern ausdauernd sitzen und wird ausschließlich vom Männchen gefüttert. Das Weibchen verlässt nur selten den Nistplatz um zu trinken und für den Gang zur Toilette. Nach ca. 14 Tagen schlüpfen die Jungen und die Altvögel beginnen direkt mit der Fütterung, die dieses Mal von beiden Partnern übernommen wird. Zwischen dem siebzehnten und einundzwanzigsten Lebenstag der Jungvögel beginnt ihre neue große Reise in die Selbstständigkeit und werden weiterhin vom Männchen betreut. Egal ob Futtersuche oder Gesang, die Jungvögel lernen fast alles von ihrem Vater, während die Mutter direkt weiter fliegt um eine weitere Brut zu beginnen. Oft schließen sich mehrere Familienverbände zusammen, um auf Nahrungssuche zu gehen und um besseren Schutz vor Raubtieren zu haben. Nach vielen Monaten der ausgiebigen Beochtung des Kanarengrilitz, freut es mich zu lesen, das der Bestand stabil ist und von der „group of organisms“ als Least concern (LC), also ungefährdet eingestuft wird. Einzig die Landwirtschaft mit Ihren Spritzmitteln und die Verbreitung von Hauskatzen, könnte den Bestand auf den kanarischen Inseln noch zu einem Problem für den schmucken Vogel werden.

 

Jedes Mal aufs Neue verlasse ich Teneriffa mit einem breiten Grinsen im Gesicht, den die Natur auf der Vulkaninsel könnte spannender nicht sein. Es ist stehst lohnenswert deren Vogelwelt genauer zu betrachten und zugleich faszinierend, welche Arten sich in den abwechslungsreichen Landschaften von Teneriffa verbergen. Der Kanarengirlitz führte mich an den Ursprung einer wunderschönen Vogelart zurück und sollte jedem Ornithologen empfohlen werden. Ich zumindest bin sehr gespannt was mich bei meinem nächsten Besuch auf den Kanaren erwarten wird und somit Fieber ich schon auf meine nächste Reise an den Rand von Afrika hin.


Die "Jagt" auf den Eisvogel

In einer Welt, die sich immer schneller zu drehen scheint suchen wir nach dem einen Augenblick der uns Aufatmen lässt.

Wir suchen nur allzu oft nach einer Möglichkeit diesen Moment zu greifen und nehmen dafür so manches in Kauf. Lange Reisen an abgelegene Orte, Autofahrten quer durch Europa oder Kreuzfahrten über das endlose Blau unsere Erde.

Doch manchmal müssen wir für diesen einen Augenblick des Aufatmens nur vor unsere Haustüre gehen und die frische, reine Luft einatmen, welche uns geschenkt wurde. Als Vogelfotograf verliere ich mich nur allzu oft in den unzähligen Augenblicken, welche mich aus meinem Alltag ausbrechen lassen. Ganz besondere Momente genieße ich, wenn ich die Möglichkeit habe den Eisvogel (Alcedo atthis) zu beobachten und zu fotografieren. In diesem Artikel möchte ich Sie mitnehmen den Eisvogel zu beobachten und einen Moment lang Aufzugatmen.

 

In einer ländlichen Region Baden-Württembergs fließt gemächlich ein schmaler Fluss durch ein kleines Dorf. Dort, wo der Fluss nicht begradigt wurde und an dessen Ufern große Weiden stehen, kann man Ihn schon von weitem hören. Pfeilschnell fliegt der Eisvogel, nur wenige Zentimeter über dem Wasser. Hier fühlt er sich am Wohlsten und auch ich genieße die Ruhe dieses Flusses. Nur wenige Meter vom Flussufer entfernt liegt ein kleiner, naturbelassener Weiher. Mit seinem großen Fischreichtum ist er das ideale Jagdrevier für den Eisvogel und die abgerutschten Hänge des Flusses perfekt für die Brut.

 

 


So schlage ich früh am Morgen mein Tarnzelt auf. Die Sonne im Rücken. Die vielen Jahre der Beobachtung von Eisvögeln und deren Verhalten lehrte mich, dass eine gute Tarnung oft der Schlüssel zum Erfolg ist. Bereits die Kleidung die man trägt kann schon eine große Auswirkung auf das Verhalten des Eisvogels haben. Aus diesem Grund trage ich bereits meine Tarnkleidung beim Annähern an den Fluss und Weiher - auch beim Aufbau des Tarnzelts versuche ich so unauffällig wie möglich vorzugehen. Wenn das Zelt steht wird schließlich auch noch die Kameraausrüstung getarnt und das Warten kann beginnen.

 

Die Stille ist so laut, dass jeder Vogelgesang, der Wind in den Blättern und das Rauschen des Flusses mich in eine andere Welt tragen. Mit den ersten Sonnenstrahlen, die das Wasser einen Goldenen Schimmer verleihen, fliegt der Eisvogel zum Fischen an das andere Ende des Weihers. Ich versuche jedes unnötige Geräusch zu vermeiden um den Eisvogel nicht zu erschrecken. Dank des leisen Auslösers meiner SLT – Kamera bemerkt der scheue Vogel nicht wie ich ihn fotografiere. Immer wieder taucht er in das kühle Wasser ein um anschließend sein Gefieder zu putzen. Hat er etwa Jungvögel? Ich intensiviere meine Beobachtung an verschiedenen Stellen am Ufer des Weihers und des Flusses. Das wichtigste Werkzeug ist dabei mein Fernglas, mit welchem ich am Ufer nach möglichen Eingängen zur Bruthöhle des Eisvogels suche. Tatsächlich! Nicht weit vom Weiher entfernt, an einer abgestürzten Böschung finde ich eine Bruthöhle und platziere mich und mein Tarnzelt neu.

 

Viele Stunden des Wartens, genauer gesagt drei Wochen später, fliegt dann der Eisvogel beinahe halbstündlich mit frischem Fisch an die Bruthöhle. Sehr vorsichtig mustert er die Umgebung. Mal fliegt er direkt in die Bruthöhle, und mal setzt er sich auf verschiedene Äste rund um die Bruthöhle um dort kurz zu verweilen, ehe er in die Bruthöhle fliegt. Dies macht das Fotografieren sehr schwer, da ich nie genau weiß wo er sich als nächstes hinsetzten wird. So versuche ich mein Glück an einem Ast nahe der Böschung, platziere dort meine Kamera mit einer Fernauslöser und verstecke mich abermals in meinem Tarnzelt. Was sich vielleicht trivial anhört war jedoch einer meiner technisch größten Herausforderungen. Der Ast war groß, der zu manuell fokussierende Bereich aber nur wenige Zentimeter breit. Man muss also genau abschätzen an welcher Stelle sich der Eisvogel niederlassen wird. Meine Wahl fiel dann auf eine Blende von f9, da diese den Hintergrund verwischen lässt und gleichzeitig einen Schärfebereich von ca. 15cm bietet. Mit der „auto“ iso und dem „auto“ weiß Abgleich ging ich auf Nummer sicher, damit meine Bilder korrekt belichtet wurden. Zuletzt musste ich mich auf eine Verschlusszeit festlegen, welche ich durch Probieren und durch Erfahrung, Bewegungen auf 1/1000s einzufrieren festlegte.

Als alles eingestellt war ging es nun darum, den Auslöser im perfekten Moment zu drücken um den Eisvogel auf seinem Ast zu erwischen. Zugegeben verbrachte ich mehrere Wochen damit meine Bilder zu perfektionieren. Dabei wechselte ich stets zwischen meiner Kleinbild-Kamera und meiner Kamera mit APS-C Sensor.  Über viele Tage und Wochen hinweg entstanden damit viele hunderte Bilder, von Altvögeln aber auch von Jungvögeln. Dies war ein besonderes Erlebnis für mich und dazu noch ein sehr seltener.

 

Am späten Vormittag flogen die jungen Vögel aus und setzten sich auf einen Ast direkt vor die Bruthöhle. Einer flog gleich mit einem Altvogel hinfort, drei weitere Jungtiere verweilten auf dem Ast und übten sich im Fischen. Der perfekte Moment für tolle Aufnahmen. Doch leider blieb mir nur wenige Stunden um Bilder zu machen, da der Altvogel alles daran setzte seinen Nachwuchs von der Bruthöhle zu verjagen. Allein dies zu beobachten war ein goldener Moment für mich, der mich abermals weit weg trug vom Lärm und der Hektik des Alltags. Zufrieden und mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht packe ich meine Sachen zusammen und verlasse einen Ort der Ruhe und Unberührtheit. 


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